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Baubericht zum Polnischen Bergungsschlepper Cyklon Bild1
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Bei einer Recherche im Internet stieß ich auf die vollständigen Pläne des polnischen Bergungsschleppers „Cyklon“ für einen annehmbaren Preis. 12 DIN A1 Pläne in 1:25 (Details in 1:12,5) ließen keine Wünsche offen. Das war der Beginn.

Das Original:

Die „Cyklon“ ist einer von 5 Bergungsschleppern der Typenreihe R27 der polnischen Stocznia Wisła/Weichsel Werft in Danzig (Gdańsk). Syklon war der Prototyp (Stapellauf 15.9.1973, Indienststellung 1.2.1975). Er ist baugleich mit „Huragan“, Taifun“, „Tornado“, „Cyklon“ und „Sztrom-2“. Der Rumpf ist aus Stahl, die Deckshäuser aus Alu. Sechs

wasserdichte Schoten unterteilen den Rumpf in 7 Abteilungen. Alle Schiffe sind nach Stürmen benannt. Es handelt sich um voll ausgerüstete Schiffe, die in der Seenotrettung des polnischen Seenotrettungs- und Suchdienstes MSPiR, der Bergung und der Feuerbekämpfung eingesetzt wurden. Angetrieben von 2 starken Fünfzylindermotoren mit gesamt 1200 PS konnte eine Geschwindigkeit von bis zu 12kn erreicht werden. Die Feuerlöschkanone mit 150 t/Std. Leistung wird durch 2 mobile Dieselpumpen mit je 60t/Std. Löschleistung ergänzt. Zusätzlich leistet die massive Schleppwinde achtern eine Zugkraft von bis zu 7,4 to. Der Bergungsschlepper ist 33m lang, 8m breit und hat einen maximalen Tiefgang von 3m.

 

Das Modell:

Da es für dieses Schiff keine fertige Schale und auch keine weiteren Teile gab überlegte ich, aus welchem Material ich bauen wollte. Die erste Überlegung war alles aus Holz zu fertigen. Allerdings fehlt mir hier die Erfahrung und es wäre schade, da das Schiff ja komplett in weiß lackiert werden wird. Ich entschied mich also für eine Schale aus GFK auf Holtspanten und einen Aufbau aus Polystyrol. Das lässt ich einfach zuschneiden und problemlos mit Kunststoffkleber kleben.

 

Schiffsrumpf aus GFK:

Als erstes erstellte ich aus dem Spantenriss für jede Spante eine Zeichnung im Maßstab 1:25. Zusätzlich zeichnete ich eine Aufnahme (Helling) über die gesamte Schiffslänge, auf der ich die einzelnen Spanten dann Kieloben auflegen kann. Jetzt ging es an die Bandsäge. Nachdem die Spanten aus 6mm Sperrholz ausgesägt waren wurden diese auf der Helling aufgereiht und mit Abstandshölzern fixiert.

 

Jetzt war es wichtig, bereits an den Antrieb zu denken. Ich baute eine Halterung für den Elektromotor und setzte das Stevenrohr. Am Ende des Stevenrohres montierte ich eine gedrehte Aufnahme für die Schiffsschraube, in die ich einen Dichtring einsetzte um das Eindringen von Wasser durch den Antrieb zu vermeiden. Dann wurden noch kleine Kunststoffröhrchen positioniert, durch die später der Löschmonitor betrieben werden soll. Die Luken für die Anker und die Kettendurchführungen wurden aus Polystyrol (PS) zusammen geklebt und positioniert.

 

Als nächstes habe ich die Bordwand aus 2mm PS angebracht und dann den Rumpf mit 0,5mm PS-Streifen verkleidet. Dies sollte die Grundlage bilden um den ganzen Rumpf mit Epoxydharz L (mit Härter 285 von R&G) und Glasfasermatten zu formen. Der Bootsrumpf wurde nun mit mehreren Schichten Epoxydharz und Glasfasermatten bedeckt, alles gespachtelt und mehrfach geschliffen. Die Spanten waren bis auf Höhe der Spundwand gezogen, was das optimale Nachbilden der Stützen unmöglich machte. Also wurden die Spanten auf Höhe des Decks abgeschnitten. Jetzt konnte ich das Deck aus 2mm Polystyrol anpassen und einsetzen. In das Deck habe ich 4 Öffnungen geschnitten damit die Technik zugänglich bleibt. Die folgenden 52 Spundwandpfeiler wurden einzeln angepasst und angeklebt. Um später die vorderen Bänder der Spundwandpfeiler nicht mit Farbe anzuschmieren habe ich jetzt schon die Spundwand von innen mit beige gestrichen. Danach wurden die Bänder zugeschnitten und angeklebt. Als nächstes habe ich die Reling angepasst und aufgesetzt. Am Bug brauchte ich eine Platte in die ich den Kreuzpoller einsetzen konnte, denn der Kreuzpoller sollte später als Aufnahme für das Tragegestell herhalten. An die 4 Techniköffnungen setzte ich 8mm hohe Polystyrolstreifen als Süllrand um ein Wassereindringen zu vermeiden. Die letzte Aktion in diesem Bauabschnitt waren die Deckel auf die Öffnungen und die erste Lackschicht außen.

 

Oberdeck, Kamin, Mast und Antennen:

Im Laufe der nächsten Monate erstellte ich das Oberdeck, den Kamin und den Mast, wobei der Mast mit all den Antennen und Lichtern sehr aufwändig war. Baumaterial sind Polystyrolplatten in den Stärken 0,5; 1,0; 1,5 und 2mm. Alle Leuchten sind mit LED´s versehen und auf einen 9-Volt-Block gelegt. Die einzelnen Abluftrohre im Kamin sind aus Delrin gedreht und mit Sekundenkleber angeklebt. Die 4 Rettungsinseln wurden aus Messing gedreht, die Gestelle mit beweglicher Aufnahme aus 2mm MS-Draht gebogen und gelötet. Die Antennen wurden auch aus MS-Draht geschnitten und mit einem gedrehten Sockel aus Messing angeschraubt.

 

Deck und Heck:

Jetzt folgten die Details auf dem Deck im Heck. Die Lukenfenster aus PS und der Schlepphaken aus MS wurden hergestellt und angebaut. Ein spezielles Augenmerk gilt dem kleinen manuellen Arbeitsplatz mit Werkbank und Schraubstock an Backbord sowie den Gas- bzw. Sauerstoffflaschen am Heck. Als nächstes wurden die Niedergänge vom Oberdeck aufs Mitteldeck mit den Einzelheiten (Axt usw.) erstellt. Danach habe ich aus 2,5 mm MS-Stäben die gesamte Reling und Geländer am Ober- und Zwischendeck gebogen und gelötet.

 

Schleppwinde und andere Aufbauten:

Im folgenden Winter nahm ich die Schleppwinde und weitere Aufbaudetails in Angriff. Diese wurde als Attrappe aus Kunststoff hergestellt, da keine Funktion geplant ist. Die Handräder habe ich von einem Bausatz übernommen. Die Abdeckung des Motorraumes wurde genau an die Öffnung im Deck angepasst und mit beweglichen Luken und Lukengittern aus MS versehen. Die Luken wurden geöffnet, da später unter der Abdeckung ein Ventilator zur Motorkühlung platziert wurde. Seitlich an der Abdeckung ist die Gangway angebracht. Diese wurde aus 1mm Blech gebogen und mit dem Doppelkörner zum Riffelblech umgestaltet. Halterungen aus MS machen sie abnehmbar. Heckseits wird nun noch ein Stangengerüst zur Führung der Trossen aus MS-Rohr gelötet und angeschraubt, wobei das hintere mit Harz fest mit dem Heck verbunden wurde. Es stellt den hinteren Aufnahmepunkt für das Tragegestell dar. Werkzeugkasten, Feuerlöschkasten usw. sind rot lackiert. Das Johanniterkreuz auf der Abdeckung und auf dem Bug wurde nach Schablone aus 0,5 mm PS geschnitten und aufgeklebt. Die gleiche Vorgehensweise wurde für die Schriftzüge „Cyklon“ und das Wappen am Kamin verwendet. Die Ankerwinde am Bug mit Motor wurde ähnlich der Schleppwinde vorerst aus Holz bzw. Delrin als Attrappe hergestellt und befestigt.

 

Kran und Beiboot:

Der Kran sollte so ausgeführt werden, dass in einer weiteren Ausbaustufe eine Funktion möglich ist. Der Fuß wurde als Drehteil mit Lagersitz ausgeführt, an den dann die 2mm starken MS-Drähte angelötet wurden. Am Ausleger montierte ich eine Rolle über die dann das Seil laufen soll. Die Flasche wurde mit 2 übereinander liegenden Rollen und einem drehbaren Haken ausgeführt. Am Fuß sind zusätzlich alle Befestigungsschrauben nachgebildet.

Zur Herstellung des Schlauchbootes verwendete ich Elektroinstallationsrohre Ø20mm. Diese ließen sich einfach mit den zugeschnittenen PS-Platten verkleben. Der Außenbordmotor wurde aus einem Holzstück gefeilt, der Tank entstand aus einem Aluklotz. Beachtlich ist dabei die sehr kleine Schiffsschraube am Außenborder.

 

Löschmonitor und Löschwasserleitungen:

Eine besondere Herausforderung war der Löschmonitor. Er sollte funktionsfähig ausgeführt werden. Dazu verlötete ich in mehreren Versuchen MS-Röhrchen Ø4x0,5mm und führte das untere Ende auf einen Schlauch. Der Monitor wurde fest auf dem Deck montiert um alle zusätzlichen Löschwasserleitungen mit deren Anschlüssen unterzubringen. Der Schlauch führt durch den Fahrstand hinunter auf ein weiteres, gebogenes MS-Rohr, das in eine Dichtringaufnahme auf dem Deck eingesteckt wird, die wiederum bis zur Pumpe führt. Die an der Reling aufgehängten Löschschläuche habe ich aus schwarz isoliertem Elektrodraht gemacht, an den ich die Bajonett-Anschlüsse aus MS angelötet habe.

 

Steuerstand, Innenausbau, Figuren

Die Armaturen am Steuerstand auf dem Oberdeck und im Fahrerstand wurden farbig gezeichnet, laminiert und aufgeklebt. Das Steuerrad entstand aus einem Kunststoffring Ø20mm und radial eingesteckten Stäben mit einer zentralen Aufnahme, damit die Drehbarkeit gewährleistet war. Eine Stecknadel dient als Gashebel. Der Sextant ist ein Drehteil aus MS.

 

Um Leben auf den Schlepper zu bekommen habe ich 4 Figuren der DGzRS (und von Schleich) positioniert. Der Steuermann bekam dann noch einen Kartentisch mit Karte, Bildschirme und alles erforderliche Equipment um navigieren zu können. (Die Figuren von Schleich musste ich noch in rote Overalls stecken – anmalen-).

 

Lüftungsschächte und Lüftungsrohre:

Als letzte Aktion wurden die insgesamt 32 Lüftungsrohre und Wasseranschlussstutzen aus 2mm MS-Draht gebogen und an den vorgesehenen Plätzen entlang der Reling eingeklebt. Die Handräder wurden aus Ätzteilen vom Modellbaukaufhaus gemacht. Die Lüftungshauben sind aus 5mm Delrin mit Querbohrung gedreht.

 

Farbgebung

Ich hatte das große Glück, dass einer meiner Arbeitskollegen aus Polen kommt. Er hat mir die Farbtabelle im Plan komplett übersetzt, so dass ich jedes Einzelteil in der Originalfarbe ausführen konnte. Das Schiff ist grundsätzlich in weiß lackiert, die Decks sind grün, die Reling beige lackiert. Alle Feuerlöschutensilien sind rot.

 

Technik und Antrieb:

Als Antrieb leistet inzwischen ein E-Motor (12V 150W, 0,65 Nm) mit Kettentrieb auf eine 4-flüglige Messingschraube Ø75mm seinen Dienst. Der ursprünglich eingesetzte Speed 700 Turbo von Graupner hatte zu wenig Drehmoment für das schwere Schiff. Die benötigten Akkus, 6V für den Empfänger und 12V für den Motor, wurden zusammen mit zusätzlichem Blei als Ballast verwendet. Der Motorregler ist ein Navy Control 540 von Robbe. Beleuchtung und Löschmonitor werden über Schaltmodule und selbst entworfene Servoschalter betätigt. Als Empfänger dient ein 6-Kanal-2,4 GHz Empfänger von Robbe. Als weitere Ausbaustufe wurde dann noch ein Soundmodul vom Modellbaukaufhaus mit voluminöser Lautsprecherbox installiert.

 

Tragegestell und Bootsständer

Damit das insgesamt 30kg schwere Boot auch alleine zu Wasser gelassen werden kann habe ich ein Tragegestell aus Alu mit Spannbandgurten gebaut, das ich am Kreuzpoller vorne und an den Stahlgestängen am Heck einhängen kann. Als Bootsständer dient eine Sperrholzplatte mit angedeuteten Kantholzstapeln und Altreifen, auf denen das Boot aufliegt.

 

Resümee:

Das Projekt „Cyklon“ forderte von mir das gesamte handwerkliche Spektrum und wurde somit zum Favorit. Dem Anspruch genüge zu werden, ein Modell nach Plänen komplett selbst zu bauen, ohne dass wesentliche Kaufteile verwendet werden, erfordert eine hohe Kreativität und den Umgang mit den unterschiedlichsten Materialien.

Das Fahrbild der Cyklon ist wunderbar. Sie strotzt den starken, bis zu 30cm hohen Wellen im Bodensee, als wenn es so sein müsste. Sie lässt sich gut manövrieren und bringt ausreichend Schub. Nachdem so ein Funktionsmodell niemals fertig sein wird, freue ich mich schon auf die nächsten Ausbaustufen mit weiteren Funktionen. Vielleicht die Ankerwinde oder der bewegliche Kran?

 

Technische Daten:

Länge: 120 cm
Breite: 33 cm
Tiefgang: 12 cm
Höhe: 75 cm
Gewicht: 30 kg
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