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Baubericht zum Krabbenkutter Bremen

Veröffentlicht in der Modellwerft 05/2012 JF

Ein Standmodell von Artesania Latina

Eines Sonntags kam unser Vereinsvorstand in meiner Hobbywerkstatt vorbei und fragte mich, ob ich gerne einen Baubericht in unserer Fachzeitschrift verfassen wolle. Ich antwortete spontan mit „JA“. Schon lange habe ich mich mit dem Gedanken getragen meine Erfahrungen an Gleichgesinnte weiter zu geben. Der Kontakt mit Herrn Bloß vom Verlag brachte mir dann mein erstes Holzboot.

Das Original

Die Bremen wurde 1953 in einer kleinen Werft in Deutschland gebaut. Sie besteht aus Holz, hat eine Länge von ca. 10m und wurde von einem Motor mit 8-10 PS angetrieben. Das Einsatzgebiet war die Nordseeküste zum Krabbenfang.

Der Bausatz

Der Bausatz ist handlich und im Karton gut verpackt. Die Einzelteile sind zusätzlich in einer tiefgezogenen Kunststoffschale und in einer Sortimentbox aus Hartplastik verpackt, so dass nicht alles durcheinander fliegt. Eine detailliere, farbige Anleitung in 7 Sprachen und ein Plan mit zwei Seitenansichten, einer Draufsicht und Ansichten von Vorne und Hinten in 1:1 liegen bei. Die Holzteile sind mit Laser vorgeschnitten. Man muss sie nur herausdrücken und versäubern.

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Bau

Da die Laserschnitte nicht vollständig ausgeführt sind muss mit einem Skalpell nachgeschnitten werden. Die ausgebrochenen Spanten werden dann mit einer Schlüsselfeile gesäubert. Im Anschluss werden die Spanten auf den falschen Kiel gesetzt und verklebt. 2 von 9 Spanten mussten dazu geringfügig in der Nut nachgefeilt werden. Das danach aufgesetzte Grunddeck habe ich in der Bohrung für den Achtermast nachgearbeitet, da die Krümmung des Decks im vorgestanzten Loch nicht berücksichtigt war. Zur besseren Passung habe ich 2 kurze Stäbe im Durchmesser der Masten abgesägt (nicht Bestandteil des Baukasten) und das Grunddeck so über die Auftakelungen zentriert. Jetzt konnte das Deck angenagelt werden. Im nächsten Schritt wurden die überstehenden Spanten am Bandschleifer in Bootsform geschliffen, so dass die Planken eine ebene Auflage bekommen.Zum Beplanken des Decks wurde ein wenig Holzeim mit 20% Wasser verdünnt und auf das Deck gestrichen. Die mittleren Planken wurden davor für die Masten ausgespart. Das aufkleben der Planken muss dann schnell gehen, da der Ponal Express selbst in verdünnter Version super schnell trocknet. Zum Aussparen der Masten an den mittleren 2 Planken ist es ratsam die Holzteile in einen kleinen Schraubstock zu spannen, um sie dann mit einer Rundfeile sehr vorsichtig auszufeilen

Beplanken und Fertigstellen des Rumpfes

Das Beplanken des Rumpf gestaltet sich schwieriger als gedacht. Die Holzleisten sollen vom Kiel an zur Reling aufgesetzt und festgenagelt werden. Trotz sehr vorsichtigem Arbeiten spalten sich die Leisten und man kann von vorne beginnen. Ich habe die Leisten an den kritischen Stellen mit einem 1mm Bohrer vorgebohrt und dann festgenagelt. Zuerst wurden 4 Leisten vom Kiel an und dann 3 Leisten von der Reling an befestigt, um im Anschluss die verbleibenden mittleren Planken anpassen zu können. Zum Anpassen habe ich die Leisten an einem Bandschleifer zurecht geschliffen. Nachdem der Rumpf komplett beplankt war habe ich die Stöße der Leisten mit verdünntem Holzleim bestrichen und die entstandenen Überstände nach dem Trocknen am Bandschleifer verschliffen.

Jetzt konnten die Schanzverkleidungen angebracht und der gesamte Rumpf mit den Sapelly-Holzleisten gewengert werden. Hierbei muss sehr sorgfältig zugeschnitten werden, da man jeden Spalt später am fertigen Schiffsrumpf sieht. Dann wird das Schanzkleid innen und außen mit hellen Leisten beplankt und die Scheuerleisten angeklebt. Die Scheuerleisten sollte man vor dem ankleben unbedingt in Wasser einlegen und vorbiegen, sonst droht die Gefahr, dass sie beim Biegen abbrechen (was mir leider passiert ist). Das ankleben von Sockel, Vordersteven und Kiel wiederum ist problemlos gegangen.

Die Stringer unterhalb der Schanzverkleidung werden jetzt nass vorgebogen, eingepasst und verklebt. Danach müssen 37 Stücke mit aus der Leiste 3x3mm zugesägt werden und im Abstand von 17mm lotrecht eingeklebt werden. Es ist wichtig die Spantenenden lotrecht zu setzen, um späteren Spott von den Modellbaukollegen zu vermeiden. Es ist hilfreich dazu einen 20mm Holzklotz zu sägen und die einzelnen Spanten anzuzeichnen.

Der Abschluss dieses Bauabschnittes ist erreicht, sobald der Schanzdeckel auf dem Schanzkleid angepasst und verklebt ist. Die Einzelteile des Bausatzes passen an Bug und Heck nicht auf die Rundungen und in der Mitte fehlen etwa 20mm. Ich habe mich dann dazu entschlossen, einen neuen Schanzdeckel aus 3mm Sperrholz auszusägen. Als Letztes werden aus den 3x3mm-Leisten die Poller hergestellt und eingeklebt. (Die dazu vorgegebenen Leisten 3x2 mm sind bereits ausgegangen)

Steuerhaus, Luken und Mast

Das Steuerhaus und 2 Luken lassen sich einfach aus den vorgeschnittenen Einzelteilen zusammen kleben. Die Fenster habe ich aus den Acetatstreifen heraus geschnitten und mit einem tropfen Sekundenkleber fixiert. Mit dem Kleber muss man dabei sehr sparsam umgehen, um weiße Schlieren im Fenster zu vermeiden. Sobald der Rohbau getrocknet ist wird alles mit den dunklen Holzleisten furniert und mit hellen Holzleisten eingerahmt. Nachdem der Lack getrocknet war wurde das Steuerhaus und die vordere Luke mit Griffen, Antenne, Rettungsring und Positionsleuchen vervollständigt. Interessant dabei ist, dass die Türgriffe der vorderen Luke in der Bauanleitung nicht erwähnt werden, aber in der Seitenansicht zu entdecken sind.

Zur Vorbereitung der Maste müssen aus den 3mm Messingstreifen Laschen gebogen werden. Nach Anleitung dient dazu ein Holzstab mit Ø5mm. Der Mast hat aber Ø6mm, so dass die Laschen nicht passen und noch mal gemacht werden müssen. 1mm Querbohrungen erleichtern das Anbringen der Ösen und Laschen. Es ist dabei ratsam, alle Ansichten genau zu betrachten und überall dort, wo etwas befestigt wird eine Bohrung zu setzten. Die Mastleuchten wurden bereits weiß lackiert und dann mit Sekundenkleber auf den Halterungen und am Mast befestigt. Die Leuchte am hinteren Mast wird mit 1mm Messingdraht befestigt. Das Vorbereiten der Blockrollen ist eine Fummelei mit 0.5er Draht.

Als nächstes wird die Bratspille aus mehreren Einzelteilen zusammengefügt und schwarz lackiert. Dann habe ich entgegen der Anleitung das Ruder zusammengeklebt und angebracht. Es erschien mir sinnvoller diese Arbeit zu vollenden bevor die Luken und das Steuerhaus aufgeklebt sind.

Eine Überraschung sind die 10 Fischkisten, die aus 3x1 mm Leisten hergestellt werden. Da habe ich fast schon eine Serienproduktion aufgebaut.

Die Vollendung

Jetzt sind alle wesentlichen Teile vorbereitet und lackiert, so dass die Montage beginnen kann. Das Steuerhaus wird aufgeklebt, die Masten werden gestellt, die Luken gesetzt alle Ösen und Haken angebracht. Das Fischernetz muss erst noch zusammengenäht werden, bevor es angebracht werden kann. Die Takelung ist in Bildern gut nachzuvollziehen und geht schnell voran. Als letztes werden die Reifenfender angebunden und die Seile vertäut.

Der beiliegende Bootsständer wird in der Anleitung nicht erwähnt, ist aber mit wenigen Handgriffen fertig.

Fazit

Der Bausatz ist gut vorbereitet und mit kleinen Ausnahmen auch vollständig. Der Anspruch an den Modellbauer ist gegeben, insbesondere wenn noch keine Erfahrung mit Holzmodellen vorliegt. Allerdings sind einige Maschinen wie Bandschleifer, Ständerbohrmaschine und Kleinbohrmaschine erforderlich. Es ist kein Bausatz, der am Küchentisch gebaut werden kann.

Technische Daten

Maßstab: 1:35
Länge: 40 cm
Breite: 11,3 cm
Höhe: 33 cm
Gewicht:
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